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Kleine Möbelkunde – wann wurde der Sekretär erfunden?

Der Sekretär war ein im 18. Und 19. Jahrhundert sehr verbreitetes Möbelstück. Foto: © JackF / stock adobe

Der Begriff Sekretär bezeichnet einen Beruf. Zudem steht er für ein im 18. und 19. Jahrhundert verbreitetes Möbelstück, das Schreibtisch und Schrank miteinander kombiniert.

Dieser Schreibschrank gehörte in der Biedermeierzeit zur Einrichtung zahlreicher Arbeitszimmer. Inzwischen handelt es sich um eine beliebte Schrankalternative mit Retro-Charme.

Was ist ein Sekretär?

Hinter einem Sekretär verbirgt sich ein Schreibmöbel, das äußerlich einem Schrank oder einer Kommode gleicht. Es besitzt ähnlich wie ein Schreibtisch eine Schreibfläche. Allerdings ist bei einigen Modellen einklappbar. Darauf, dahinter sowie daneben befinden sich große und kleine Fächer, die als Stauraum für Stifte, Papier und andere Schreibutensilien dienen.

Unterhalb der Schreibfläche erinnert die Form des Sekretärs an einen ein- oder zweitürigen Schrank. Alternativ finden sich Modelle, die zugunsten von Schubladen auf Türen verzichten oder ein Regal aufweisen. Unabhängig von seiner Form bietet der Sekretär viel Platz. Dadurch kommt er als Aufbewahrungsort für Akten, Schreibmaterial und andere Habseligkeiten infrage.

Bei Sekretären stehen zahlreiche Größen und Designs zur Auswahl. Der Klassiker: ein schmaler Schreibschrank aus Holz mit klappbarer Schreibfläche und Schubladen. Moderne Ausführungen gleichen einem Sideboard mit einer Art Schreibaufsatz. Eine Rollladenkonstruktion dient dazu, die Schreibfläche bei Nichtgebrauch vor Blicken, Schmutz und Staub zu schützen.

Neben dem charakteristischen Aufbau zeichnen sich die Möbelstücke durch ihre vielseitigen Einsatzmöglichkeiten aus. Da der Sekretär als Schreibtischersatz dient, befindet sich die Schreibfläche meist in Sitzhöhe. Mit seinen Regal- und Schubfächern ergänzt er Side- und Lowboard im Wohnzimmer als Aufbewahrungsschrank.

Der erste Sekretär – ein Blick auf die Geschichte des Schreibschranks

Der Sekretär stammt wie der Herrendiener aus einer vergangenen Zeit und erlebt im heutigen 21. Jahrhundert ein Revival. Sein Name stammt vom lateinischen Wort „secretarius“, das den Beruf des Schreibers bezeichnet. Wörtlich übersetzt bedeutet es „im Geheimen“ oder „Geheimschreiber“.

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Später entwickelte sich daraus der französische Begriff „secrétaire“ – der Ursprung für den heutigen Sekretär. Als Möbelstück diente dieser als Vorgänger des Schreibtischs. Es handelt sich um ein Produkt mit vielseitigem Nutzen. Der Sekretär erlaubt es:

  • sich seinen Schreibarbeiten zu widmen
  • private und geschäftliche Korrespondenz zu erledigen
  • Akten, Verträge und wichtige Dokumente aufzubewahren
  • in schriftlicher Form festgehaltene Gedanken vor anderen zu verbergen

Zu dem Zweck besaßen bereits frühe Versionen des Schreibschranks Riegel oder Schlösser an Schreibklappe.

Wie entstand der Sekretär?

Die Idee für einen Schrank mit Schreibaufsatz resultierte aus einer bereits zu Luthers Zeiten verbreiteten Erfindung: dem mobilen Schreibkasten. Ursprünglich aus Italien stammend, handelte es sich um eine Art Koffer mit geradem Klapp- oder schrägem Pultdeckel. Darin befanden sich Papier sowie die zur damaligen Zeit notwendigen Schreibutensilien.

Hauptsächlich Händler, wandernde Gelehrte und Schiffskapitäne benutzten die tragbaren Schreibkästen. Um meist stehend an ihnen zu arbeiten, fanden die Modelle auf Tischen und Schränken Platz.

Die ersten Sekretäre kamen vermutlich im frühen 17. Jahrhundert in Mode. Sie entwickelten sich aus den ebenfalls im Barock beliebten Kabinettsschränken. Diese Prunkmöbelstücke mit Flügeltüren und dahinter verborgenen Schubladen beinhalteten Wertsachen sowie kuriose Besitztümer.

Kunstschreiner fertigten die kompakteren Sekretäre zunächst hauptsächlich für Gelehrte und Adlige an. Im Gegensatz zu den Stehpulten, die bereits seit dem Mittelalter existierten, bot der Sekretär ein Novum. Er erlaubte es seinen Nutzern aufgrund der im Vergleich zum Pult niedrigen Schreibfläche, im Sitzen zu arbeiten.

Stehpulte blieben im Geschäftsleben beliebt. Dagegen kamen Sekretäre in privaten Haushalten als Mischung aus stilvoller Inneneinrichtung und Zweckmöbel zum Einsatz.

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Mit Beginn der Schulpflicht in den einzelnen Regionen Deutschlands stieg die Anzahl der Menschen, die lesen und schreiben konnten. Für die persönliche und geschäftliche Korrespondenz brauchten sie entsprechende Schreibmöbel.

Im 18. und 19. Jahrhundert weckte der Sekretär daher das Interesse zahlreicher Käufer aus der gutbürgerlichen Mittelschicht. Er bot Platz für Schreibarbeiten und verlieh dem Interieur eine gleichermaßen elegante und kultivierte Note.

Sekretäre erfreuen sich in der Biedermeierzeit großer Beliebtheit

Die Ordnung am Arbeitsplatz nimmt auf das Verhalten während der Arbeit Einfluss. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie aus dem Jahr 2013. Sie belegt, dass ein aufgeräumter Schreibtisch gewissenhaftes Arbeiten begünstigt.

Ein Sekretär mit einklappbarer Schreibfläche erleichtert es, ohne Zeitaufwand Ordnung zu halten. Durch das Zuklappen des Schreibfachs oder das Herunterziehen des Rollladens bleibt auch das kreative Chaos vor fremden Blicken verborgen.

Die Liebe zu geordneten Verhältnissen und der Rückzug in die eigenen vier Wände prägten die Biedermeierzeit zwischen 1815 und 1848. Zu den klassischen Biedermeiermöbeln gehören äußerlich schlichte Sekretäre aus Holz mit Klapp-Schreibfläche. Viele Modelle besaßen oberhalb der Arbeitsplatte einen Bücherschrankaufsatz.

Die Begeisterung für Sekretäre reichte im Biedermeier so weit, dass sich Haushalte ohne eigenen Schreibschrank einen „Blender“ zulegten. Hierbei handelte es sich um einen meist eintürigen Schrank mit Schnitzereien an der Front. Sie deuteten eine Klappe sowie mehrere Schubkästen an, sodass das Möbelstück äußerlich einem Sekretär ähnelte.

Im 20. Jahrhundert geriet der Schreibschrank langsam wieder aus der Mode. Mit Aufkommen der Dienstleistungsgesellschaft sank die Bedeutung von heimischen Schreibarbeiten. Das führte zu einem Rückgang der Verkaufszahlen von Sekretären und der Produktion der Möbelstücke.

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Ein Stück ihrer alten Popularität gewannen Sekretäre erst im 21. Jahrhundert zurück. Aufgrund ihrer kompakten Form und ihres Retro-Charmes passen sie zu einer Vielzahl an Einrichtungsstilen, darunter:

  • Landhausstil
  • Shabby Chic
  • Vintage-Style

Die modernen Schreibschränke bestehen wie ihre historischen Vorbilder aus einem klappbaren Schreibaufsatz sowie einem Schrank als Unterbau. Hochwertige Modelle fertigen die Hersteller aus Massivholz, wobei Eiche, Buche und Tropenhölzer beliebt sind. Legen Käufer auf mehr Nachhaltigkeit Wert, kommen für sie Sekretäre aus recyceltem Holz infrage.

Fazit

Ein Sekretär bezeichnet ein kompaktes Möbelstück, das gleichermaßen als Arbeitsplatz und Aufbewahrungsort diente. Der Vorgänger des Schreibtischs kam im frühen 17. Jahrhundert auf und erlebte in der Biedermeierzeit die Hochphase seiner Beliebtheit. Inzwischen findet der modern gestaltete Schreibschrank wieder in vielen Arbeits- und Wohnzimmern Platz.

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Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).