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Wann wurde der Begriff „Home-Office“ geprägt?

Das Home Office hatte zu Pandemie Zeiten eine besonders große Bedeutung. Foto © insta_photos stock adobe
Das Home Office hatte zu Pandemie Zeiten eine besonders große Bedeutung. Foto © insta_photos stock adobe

Wer wann zum ersten Mal das Wort „Home-Office“ in den Mund nahm, lässt sich heute nicht mehr sagen. Obgleich der Begriff aus der englischen Sprache zu stammen scheint, handelt es sich um einen sogenannten Pseudoanglizismus.

Dieser hat seinen Ursprung in Deutschland. Die Nutzung des Wortes, das übersetzt „Heimarbeit“ oder „Arbeit zu Hause“ bedeutet, häufte sich allmählich um das Jahr 2014 herum. 2019 ging der Begriff „Home-Office“ in den allgemeinen Sprachgebrauch über und ist seit 2020 in aller Munde.

Wie entstand der Begriff „Home-Office“?

Die Idee der Beschäftigung im Home-Office gibt es deutlich länger als den inzwischen in Deutschland weit verbreiteten Begriff. Die erste Bezeichnung für Arbeit außerhalb des Arbeitsplatzes hieß „Telearbeit“. Ihre Urform „Telependeln“ oder „Telecommuting“ tauchte in den USA im Jahr 1976 auf. Das Wort meinte ursprünglich den Transport von Arbeitsmitteln nach Hause.

In Deutschland entstand der Begriff „Telearbeit“ erst 1982. Später bildete sich daraus der Pseudoanglizismus „Home-Office“. Dieser setzt sich aus den beiden Wörtern „Home“ für „Zuhause“ und „Office“ für „Büro“ zusammen. Gemeint sind typische Schreibtischaufgaben, die Arbeitnehmer oder Selbstständige in den eigenen vier Wänden erledigen. Obgleich „Home-Office“ englisch klingt, stammt das Wort weder aus Großbritannien noch aus den USA.

Im englischen Sprachgebrauch meint „Home-Office“ das Innenministerium (im britischen Englisch) oder das Hauptquartier eines Unternehmens (im amerikanischen Englisch). Eine wortgetreue Übersetzung des Satzes „Ich bin im Home-Office“ ins Englische ergäbe daher einen anderen Sinn als im Deutschen.

Im Jahr 2021 war der Begriff „Home-Office“ erstmals in einem deutschen Gesetz zu finden. In der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung hieß es laut Bundesarbeitsministerium, dass Arbeitgeber, wo immer es möglich ist, Home-Office anbieten müssen. Die damalige Idee bestand darin, den unnötigen Aufenthalt der Arbeitnehmer im öffentlichen Raum zu vermeiden.

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Im Sprachgebrauch verwenden Menschen den Begriff „Home-Office“ gleichbedeutend mit „mobiler Arbeit“. Dennoch meinen beide Ausdrücke etwas anderes. Die mobile Arbeit beschreibt zwar diejenige abseits des Arbeitsplatzes, diese findet jedoch nicht zwangsläufig zu Hause, sondern an einem x-beliebigen Ort statt. Menschen erledigen mobile Arbeit dort, wo sie sich wohlfühlen – etwa in einem Café oder am Strand.

Welche Formen von Home-Office unterscheiden sich?

Beim Home-Office unterscheiden sich grob zwei Arten. Die eigentliche Begriffsbedeutung meint die Durchführung der gesamten alltäglichen unternehmerischen Arbeit zu Hause. Arbeitnehmer oder Selbstständige tätigen sie vom privaten Schreibtisch oder aus dem Arbeitszimmer heraus. Für diese Gruppe Erwerbstätiger existiert kein alternativer Arbeitsplatz im Unternehmen.

Daneben existiert die alternierende Arbeit im Home-Office. Diese Form dominiert die Telearbeit in Deutschland. Die Arbeitnehmer arbeiten im Wechsel zu Hause oder an ihrem Arbeitsplatz im Büro. Letzteren teilen sich meist mehrere Personen, die ihn zu unterschiedlichen Zeiten nutzen. Die Tätigkeit zu Hause und die im Büro wechseln sich tage- oder wochenweise ab.

Was benötigen Menschen, um im Home-Office zu arbeiten?

Die komplette oder alternierende Tätigkeit im Home-Office geht mit technischen Anforderungen an den Arbeitsplatz zu Hause einher. Selbstständige oder Arbeitnehmer benötigen zum konzentrierten Arbeiten einen ruhigen Arbeitsbereich. Das kann die Einrichtung eines Arbeitszimmers – umgangssprachlich ebenfalls als Home-Office bezeichnet – erfordern.

Neben einem Schreibtisch oder einem vergleichbaren Arbeitsbereich bedarf die Ausübung der Berufstätigkeit zu Hause einer grundlegenden technischen Ausrüstung. Dazu gehören bei den meisten Arbeitnehmern:

Um virtuelle Dokumente in physischer Form nutzbar zu machen, steht in vielen privaten Arbeitszimmern ein Drucker. Hierbei unterscheiden sich Laserdrucker und Tintenstrahldrucker, wobei Erstere mehrheitlich schneller und günstiger drucken. Folglich eignen sie sich speziell für den Einsatz in Büros, in denen das Aufkommen an zu druckenden Dokumenten groß ist. Bei einem niedrigen Druckaufkommen sind Tintenstrahldrucker kosteneffizienter.

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Laser- und Tintenstrahldrucker verursachen neben den einmaligen Anschaffungskosten monatliche Fixkosten. Diese entstehen durch den Stromverbrauch sowie durch den Ersatz von Druckerpatronen oder Toner. Der sparsame Umgang mit Tinten und Tonern eröffnet Sparpotenzial für die gesamten Homeoffice-Kosten.

Neben der „Basistechnik“ fürs Home-Office können Scanner, Telefonanlage sowie Aktenordnungssysteme zur Ausstattung des privaten Arbeitsbereichs gehören. Welche Wahl Arbeitnehmer oder Selbstständige für Schreibtisch, Schreibtischstuhl und Beleuchtung treffen, unterliegt individuellen Anforderungen und Vorlieben.

Was bringt Home-Office für Arbeitgeber und Arbeitnehmer?

Neben der Frage nach dem Zeitpunkt, an dem der Begriff Home-Office entstand, steht der Nutzen der Arbeit zu Hause im Mittelpunkt.

Vorteile der Telearbeit für Arbeitgeber

Unternehmen schätzen inzwischen die alternierende Telearbeit, da sie eine Reduktion der Bürofläche ermöglicht. Im Gegensatz zur klassischen Büroarbeit braucht bei dieser Arbeitsform nicht jeder Mitarbeiter einen eigenen Arbeitsplatz.

Gleichzeitig erlaubt Home-Office, Arbeit und Freizeit flexibel zu kombinieren. Berufstätige, die aus privaten Gründen gezwungen sind, Zeit zu Hause zu verbringen, beteiligen sich dennoch am Unternehmensgeschehen. Neben der E-Mail-Korrespondenz mit Kollegen und Kunden ermöglicht die Tätigkeit im Home-Office Online-Meetings über Skype und vergleichbare Dienste.

Ein weiterer Vorteil von Telearbeit aus Sicht der Arbeitgeber besteht in der gesteigerten Motivation der Mitarbeiter sowie deren Arbeitseffektivität. In der im Januar 2022 veröffentlichte Studie „Home-Office nach fast zwei Jahren Pandemie“ gaben Befragte an, zu Hause effizienter als im Büro zu arbeiten.

Vorteile der Telearbeit für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer schätzen die Arbeit im Home-Office, um Familie und Beruf einfacher unter einen Hut zu bekommen. Gleichzeitig ermöglicht die Telearbeit:

  • ungestörte Beschäftigung mit aktuellen Projekten
  • freie Zeiteinteilung
  • bessere Nutzungsmöglichkeit kreativer Arbeitsphasen
  • höhere Eigenverantwortung
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Der Wegfall von Arbeitswegen bedeutet für viele Arbeitnehmer eine Geld- und Zeitersparnis.

Welche Nachteile kann die Arbeit im Home-Office mit sich bringen?

Die Arbeit im heimischen Arbeitszimmer kann durch den Wegfall offizieller Arbeitszeiten Mehrarbeit Vorschub leisten. Betroffenen fehlen Erholungszeiten zwischen unternehmerischer und familiärer Verpflichtung – mit gesundheitlichen Problemen als mögliche Folge. Weitere negative Aspekte sind eine erschwerte Kommunikation innerhalb eines Teams sowie die Gefahr der sozialen Isolation.

Fazit

Der vermutlich in den frühen 2010er-Jahren geprägte Begriff „Home-Office“ wird in Deutschland synonym zur älteren Bezeichnung Telearbeit genutzt. Home-Office meint einen übergreifenden Organisationsansatz, um Arbeit flexibler zu gestalten. Gleichzeitig steht das Wort umgangssprachlich für den Arbeitsplatz zu Hause.

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Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).