in

Wann wurde der Lötkolben erfunden

Bild: ©Александр Поташев/ stock adobe.com

Beim Löten handelt es sich um einen Prozess, bei dem zwei oder mehr Metalle durch Aufschmelzen eines Lots miteinander verbunden werden. Das Lot basiert normalerweise auf Zinn oder Blei. Es schmilzt bei einer niedrigeren Temperatur als die beiden zu verbindenden Metalle. Löten ist wie Schweißen eine Möglichkeit, zwei Werkstücke miteinander zu verbinden.

Zum Löten selbst braucht man ein Werkzeug, dass das Lot zum Schmelzen bringt: Einen sogenannten Lötkolben. Ein Lötkolben ist ein Werkzeug, das sich erwärmt, wenn elektrischer Strom durch ihn fließt. Er sieht aus wie ein Schraubenzieher, aus dem ein Kabel hinten raus ragt. Steckt man dieses Kabel in eine Steckdose, erwärmt sich die Spitze des Kolbens. Der Vollständigkeit halber: Es gibt mittlerweile auch zahlreiche Akku-Lötkolben.

Lötkolben kennen viele aus dem Werkunterricht in der Schule, wo man kleine Schaltmodule zusammenlötet und wenn Sie ein begeisterter Heimwerker sind, haben Sie wahrscheinlich auch einen zuhause, den er gehört, wie die Schlagbohrmaschine und der Schraubenschlüssel eigentlich zur Heimwerker-Grundausrüstung.

Den Lötkolben gab es schon in der Antike

Historische Aufzeichnungen zeigen, dass das Löten mit Lötkolben bereits vor fünf Jahrtausenden im alten Ägypten praktiziert wurde: Goldschmiede verwendeten es, um Gold zu Schmuckstücken zu verbinden.

Mit der Entdeckung von Zinn vor 4000 Jahren verfeinerte und verbesserte sich auch das Löten, weil es ein viel wirksameres Lötmetall darstellte als die zuvor verwendeten Materialien. Es ist wahrscheinlich, dass sich das Löten zunächst von Ägypten in den Mittelmeerraum ausbreitete. Das Römische Reich wäre wohl ohne die Kunst des Lötens nicht so erstarkt. Denn die berühmten Aquädukte, über die die Römer ihre Städte mit sauberem Trinkwasser versorgten, warten Bleiwasserleitungen, die über eine Länge von mehr als 400 Metern zusammengelötet wurden.

Siehe auch  Wann wurde die Kappsäge erfunden?

Bis zur Erfindung der Elektrotechnik waren alle Lötkolben für die Erwärmung durch eine offene Flamme ausgelegt. Während der Meister mit einem Lötkolben arbeitete, wurde ein zweiter mit einer Flamme erhitzt – so war das Problem des Dauerbetriebs gelöst. Alles wurde einfacher, als die Elektrizität entdeckt wurde und Erfinder begannen, Geräte zu entwickeln, die mit elektrischem Strom betrieben wurden.

Der erste elektrische Lötkolben wurde von der Firma American Electrical Heater Company in den 1890er-Jahren hergestellt. In Deutschland gründete Ernst Sachs 1921 die „Erste Spezialfabrik für elektrische Lötkolben“ in Berlin. Aus den Anfangsbuchstaben entstand der Firmenname ERSA.

Auf der Leipziger Herbstmesse stellte Ernst Sachs seine elektrischen Lötkolben erstmals vor. Seine Firma florierte vor dem zweiten Weltkrieg, während des Krieges wurde die Firma zerstört. Nach dem zweiten Weltkrieg startete Ernst Sachs erfolgreich erneut und entwickelte den Lötkolben ständig weiter.

Wo wird der Lötkolben eingesetzt

Der Lötkolben ist heute ein Werkzeug, das für viele Berufe unerlässlich ist. Für jeden Einsatz gibt es mittlerweile spezielle Lötkolben und Lötkolben-Sets. Günstiger Heimwerker-Sets kann man in jedem Baumarkt oder im Internet kaufen. Profis arbeiten mit speziellen Lötkolben:

  • Dachdecker zum Beispiel löten Bauteile für ein Kupferdach. Da Dachdeckerarbeiten keine große Präzision erfordern, hat der übliche Dachdecker-Lötkolben eine breite Spitze, die sich sehr schnell aufheizen kann und häufig mit Gas unterstützt wird, um die Wärme bei windigen Bedingungen aufrechtzuerhalten.
  • Dachrinnen aus Kupfer werden durch Löten verbunden. Durch das Löten entsteht eine dauerhafte Verbindung, die die Dachrinnen dichtet. Es gibt eigene Lötkolben-Sets nur für Dachrinnen.
  • Einer der häufigsten Einsatzzwecke eines Lötkolbens sind Leiterplatten aus Kunststoff in der Elektronik. Die Metalllegierung des Lots sorgt für das Fließen des elektrischen Stroms beim Verbinden zweier Drähte. Hier muss mit großer Präzision gearbeitet werden, dafür sind sehr präzise Lötkolben nötig, deren Temperatur man auch regeln kann.
  • Wie schon früher, so wird auch heute noch Schmuck gelötet. Juweliere verwenden häufig Lötkolben mit austauschbaren Spitzen, um eine höhere Präzision zu erzielen. Das Lot hat außerdem einen hohen Silberanteil.
Siehe auch  Wann wurde der Hochdruckreiniger erfunden?

Lötkolben für Holz

Natürlich verwendet man Lötkolben überwiegend, um zwei Metalle zusammen zu löten. Allerdings haben Lötkolben auch noch eine weitere, sehr nützliche Funktion: Man kann damit Holz gravieren bzw. dekorieren. Diese Form der Dekorierung nennt man Brandmalerei. Und man braucht dazu wirklich nur einen einfachen Lötkolben, den man in jedem Baumarkt kaufen kann.

Keine Produkte gefunden.

So geht Brandmalerei mit einem Lötkolben:

Das Holzstück sollte immer auf einem festen, nicht brennbaren Untergrund liegen. Je heller das Holz, desto besser sieht man die Verzierungen.

Am besten geeignet für Brandmalerei sind folgende Holzarten:

  • Linde
  • Ahorn
  • Esche
  • Birke
  • Kiefer

 

Wichtig ist, dass das Holz unbehandelt ist, Ist es geölt oder lackiert, kann man Holz nicht mehr gut mit einem Lötkolben bearbeiten.

Für einfache Verzierungen reicht ein einfacher Lötkolben aus. Für komplizierte Verzierungen mit unterschiedlich starken Strichen gibt es Lötkolben mit auswechselbaren Spitzen, einen sogenannten Brennpeter.

Fazit

Der Lötkolben ist ein wichtiges Werkzeug in der Industrie, der Elektrotechnik und der Feinmechanik. Er ist mehrere tausend Jahre alt und hat die menschliche Zivilisation entscheidend mitgeprägt.

 

 

Avatar-Foto

Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).