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Mobile Kommunikation – Handy reparieren statt wegwerfen

Wird in der EU die Pflicht zur Reparatur zum Beispiel von Handys kommen? Foto: © Rokas / stock adobe

Zahlreiche elektronische Geräte sind zu wichtigen Begleitern unseres Lebens geworden. Handys, Laptops, Tablets & Co erfüllen so viele Funktionen, dass die meisten Menschen ohne diese Geräte nicht mehr auskommen können.

In den eher reichen Ländern scheinen die Gadgets schon fast überall zu sein, und in den Schwellenländern steigt ständig die Nachfrage nach solchen Geräten. Gadgets gibt es längst sehr viele, und es wird in der Zukunft noch mehr geben.

Diese Entwicklung mag die Hersteller von elektronischen Geräten freuen, aber gleichzeitig gibt es immer mehr Sorgen um die Auswirkungen der industriellen Produktion solcher Geräte auf die Umwelt und auch auf die Gesundheit der Menschen. In der Zeit des steigenden Bewusstseins für die Umwelt und die Folgen des Klimawandels wird die industrielle Entwicklung immer kritischer betrachtet. Diese Kritik nimmt alle Branchen ins Visier, aber es gibt spezifische Punkte, die ausgerechnet die Herstellung der Elektronik betreffen.

Mobile Geräte und die Umwelt

Es wird etlichen Branchen vorgeworfen, Schäden für die Umwelt zu verursachen. Schwerindustrie, Luftverkehr, Autos und auch Fleischproduktion müssen immer öfter solche Kritik einstecken. Wenn man bessere und umweltfreundlichere Alternativen vorschlagen will, kommt meistens die grüne Energie als Lösung vor.

Wenn es um Verkehr geht, werden mit Strom betriebene Verkehrsmittel wie E-Autos oder elektrische Lokomotiven zu Recht als ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit betrachtet. Daher kann man oft vermuten, dass elektrisch zwangsläufig „ökologisch” bedeutet, und die meisten Gadgets sollten kein Problem für die Umwelt sein.

Tatsächlich hinterlassen auch die Herstellung und die Benutzung der mobilen Geräte einen ökologischen Fußabdruck. Die Herstellung mobiler Geräte erfordert zahlreiche Ressourcen, die meistens aus weit entfernten Regionen kommen. Die Kosten für die Umwelt verursacht dabei nicht nur der Abbau der notwendigen Stoffe, sondern auch ihr Transport.

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Die industrielle Herstellung neuer Kommunikationsgeräte erfordert riesige Mengen von diesen Ressourcen, auch wenn die Geräte selbst relativ klein sind. Große Unternehmen versuchen, die Transportkosten zu reduzieren. Ihnen geht es nicht nur um die Umwelt, sondern auch um den finanziellen Aufwand. Auch wenn es gelungen ist, einiges auf diesem Weg zu erreichen, bleibt die Herstellung von elektronischen Geräten nach wie vor eine wesentliche Belastung für die Umwelt.

Wegwerfen oder Repararieren?

Die Zahl verkaufter Mobilgerät ist unglaublich hoch. Leider haben viele von ihnen keine lange Lebensdauer. Die auf dem Markt vorhandenen mobilen Geräte unterscheiden sich sehr stark voneinander, und viele billige Produkte gehen ziemlich schnell kaputt.

Abgesehen vom Ärger, den dies bei Verbrauchern auslöst, sind diese Geräte auch eine Belastung für die Umwelt. Die Rohstoffe, die für ihre Herstellung benutzt werden, dürfen nicht einfach im Restmüll enden. Wenn sie nicht korrekt recycelt werden, verschmutzen sie die Umwelt, und diese Verschmutzung kann sehr toxisch und für viele Organismen gefährlich sein.

Viele von uns haben mehr als einmal eine Situation erlebt, in der viel billiger wäre, ein neues Gerät zu kaufen, statt ein altes reparieren zu lassen. Solche Einweg-Geräte gibt es auf dem Markt nach wie vor sehr viele. Kundenfrust und Umweltschäden, die ein solcher Umgang mit kaputten Geräten auslöst, haben Unternehmen dazu veranlasst, mehr Reparaturmöglichkeiten anzubieten.

Für die Menschen, die technisch begabt sind, gibt es mehr Möglichkeiten, Apple Ersatzteile zu kaufen und ihre Geräte zu reparieren. Apple ist eine der Firmen, die mit als erst begonnen haben, Ersatzteile für ihre Geräte zu verkaufen. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit, und man kann mit mehr solchen Angeboten in Zukunft rechnen.

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Recht auf Reparatur – das Konzept

Reparieren statt wegschmeißen ist wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll. Auch die Politik hat den Trend erkannt, und die EU-Kommission bemüht sich derzeit, das Recht auf Reparatur zu etablieren. Dieser Plan ist die Antwort auf die Tatsache, dass nach wie vor zu viele alte Geräte im Müll landen, obwohl sie mit einer Reparatur wohl noch funktionstüchtig sein könnten.

Laut EU-Kommission müssen dabei die Hersteller der Geräte in die Pflicht genommen werden, eine Reparatur zu ermöglichen. Darüber hinaus will man auf diese Weise einen Markt für Ersatzteile schaffen. Was Apple vor kurzem als eigene Initiative angeboten hat, müsste künftig für alle Hersteller Pflicht werden.

Am Anfang muss diese Verordnung nur für große Haushaltsgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen gelten. Im Prinzip geht es aber um dieselbe Idee, die von Apple bereits verwirklicht wurde. So soll der Lebensdauer vieler Geräte wesentlich verlängert werden, und Verbraucher sollen einen leichteren Zugang zu Ersatzteilen erhalten.

Recht auf Reparatur – Pro und Kontra

Die Eingriffe der Politik in das Konsumverhalten sind immer ein Thema für heftige Diskussionen. Auch zum Recht auf Reparatur gibt es verschiedene Meinungen.

Pro. Das Recht auf Reparatur ist ein wichtiger Schritt, mit dem viele Menschen endlich eine Garantie bekommen, dass sie ihre Geräte reparieren können. Wenn es so eine Garantie tatsächlich gibt, bekommen die Endverbraucher mehr Spielraum bei der Auswahl der Geräte.

Ohne Angst, dass ein Gerät oder Gadget bald kaputtgeht und nicht mehr funktioniert, kann man auch auf einige teurere, aber zuverlässige oder energieeffiziente Möglichkeiten zugreifen. Vom Recht auf Reparatur profitieren offensichtlich die Endverbraucher und die Umwelt.

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Contra. Das Recht von einem ist immer die Pflicht des anderen. Manche Großkonzerne haben kein Problem, das Recht auf Reparatur umzusetzen und die notwendigen Ersatzteile bereitzustellen. Für die kleineren Hersteller bedeuten mehr Verpflichtungen auch mehr Kosten.

Das Recht auf Reparatur bedeutet nicht nur, dass die Ersatzteile, sondern auch Reparaturwerkstätten verfügbar sein müssen. Allen diesen Pflichten nachzugehen bedeutet für viele Unternehmen, Mehrkosten zu tragen, und für die Verbraucher bedeutet es wiederum höhere Preise.

Fazit

Das Interesse für Reparatur technischer Geräte wächst zusehends. Sowohl finanzielle als auch ökologische Gründe tragen dazu bei, dass die Menschen sich mehr für die Nachhaltigkeit und Effizienz ihrer Geräte interessieren. Darüber hinaus sind wieder die Fähigkeiten gefragt, sich mit der Technik dermaßen gut auszukennen, dass man ein Gerät selbständig reparieren kann.

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Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).