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Wann wurde das Buch „Lolita“ veröffentlicht?

Bild: © pixs:sell / stock adobe

„Lolita“ ist heute ein geflügeltes Wort für kindliche Verführerinnen, die es bevorzugt auf ältere Männer abgesehen haben. Seinen Ursprung nahm der Begriff im gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov. Allerdings wollte der Schriftsteller in seinem erstmals 1955 in Frankreich erschienenen Werk keinesfalls eine verführerische Kindfrau porträtieren. Stattdessen steckt hinter „Lolita“ eine weitaus düsterere Geschichte.

Worum geht es im Buch „Lolita“?

Hinter „Lolita“ verbirgt sich ein Literaturklassiker, der nach seiner Veröffentlichung zunächst zum Skandalbuch wurde. Die Erstausgabe erschien im französischen Verlag Olympia Press, der sich auf englischsprachige Erotika spezialisierte. Obwohl Vladimir Nabokov sein Werk gezielt an die amerikanische Leserschaft richtete, kam es in den USA erst im Jahr 1957 in den Verkauf. Die erste Fassung für den amerikanischen Markt beschränkte sich auf Auszüge, bevor das Gesamtwerk ein Jahr später erschien.

Dass „Lolita“ als Buch erst nur in Auszügen im Buchhandel angeboten wurde, lag an der missverstandenen Botschaft des Romans. Fälschlicherweise glaubten viele Leser und Kritiker, der Schriftsteller habe eine pornografische Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem frühreifen Kind beschrieben. Zeit seines Lebens wehrte sich Vladimir Nabokov gegen diese Behauptungen. Stattdessen habe er „Lolita“ geschaffen, um auf die Leiden eines mehrfach missbrauchten Kindes aufmerksam zu machen.

Pornografie oder Moralpredigt – „Lolita“ ist keines von beiden

„Lolita“ gehört zu den bekannten Skandalbüchern des 20. Jahrhunderts. Daher sah sich Vladimir Nabokov, der Schöpfer der Hauptfigur, mit zahlreichen Anfeindungen seitens der Leser konfrontiert. Die explizite Darstellung einer Beziehung zwischen einem 37-jährigen Mann und einem zwölfjährigen Mädchen steht im Roman im Mittelpunkt.

Als Ich-Erzähler agiert der 1910 geborene Humbert Humbert, der seine pädophile Neigung zunächst nicht ausleben kann. An erwachsenen Frauen findet er in sexueller Hinsicht keinen Gefallen. Bei der Witwe Charlotte Haze mietet er sich ein Zimmer und lernt deren Tochter kennen. Dolores Haze, genannt Lolita, erobert sein Herz ohne ihr Zutun im Sturm.

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Charlotte macht Humbert einen Heiratsantrag, den er annimmt, um Lolita nahe zu sein. Nach dem Unfalltod der Mutter bleibt er als einzige Bezugsperson des Mädchens übrig und kann seine Neigungen an ihr ausleben. Er missbraucht die Zwölfjährige und reist mit ihr von einem Ort zum anderen, um die Beziehung geheim zu halten.

Damit Lolita ihm nicht entflieht, beginnt Humbert, sie zu erpressen. Doch dem Mädchen gelingt es, sich aus seinen Fängen zu befreien und mit einem anderen Mann zu fliehen.

Nach Jahren trifft Humbert erneut auf seine einstige Liebe und erfährt, dass er sie an den Dramatiker Clare Quilty verloren hat. In Rage erschießt er den Widersacher und geht dafür ins Gefängnis. Später stirbt auch Lolita im Kindbett.

Vladimir Nabokov erwähnte in späteren Interviews mehrmals, er habe „Lolita“ weder als pornografische Literatur, noch als moralisches Mahnmal geschaffen. Stattdessen wollte er die Geschichte eines missbrauchten und ausgenutzten Kindes veröffentlichen. Obgleich sich die Interpretationen seines Werks unterscheiden, war „Lolita“ der bedeutendste Roman in der Karriere des Schriftstellers.

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Warum steht der Begriff „Lolita“ heute für eine junge Verführerin?

Durch die Bekanntheit des Buches „Lolita“ ging der Name der Protagonistin in die Wissenschaft ein. Der „Lolita-Komplex“ oder die „Nymphophilie“ meinen die erotische oder sexuelle Vorliebe älterer Männer zu deutlich jüngeren Mädchen und Frauen.

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In der Umgangssprache steht „Lolita“ umgekehrt für Kindfrauen, deren Verführungskünste auf deutlich ältere Männer abzielen. Die sogenannten „Nymphen“ weisen kindliche und frauliche Merkmale gleichermaßen auf. Aus dieser Mischung aus Unschuld und Erotik ziehen sie ihre Attraktivität.

Bei verschiedenen sexuellen Praktiken kann Lolita-Sex auch zwischen gleichaltrigen Partnern stattfinden. In dem Fall verschafft sich die Frau durch kindliche Attribute das Aussehen einer Kindfrau. Zu den entsprechenden Accessoires gehören beispielsweise niedliche Kleider oder Schleifen im Haar. Im Rahmen von Rollenspielen kann die bewusste und erotische Infantilisierung der Frau für beide den Reiz am Liebesspiel ausmachen.

Einen offiziellen Begriff für die männliche Version der Lolita gibt es nicht. Online kursieren Bezeichnungen wie „Brolita“, die sich aus „Brother“ und „Lolita“ zusammensetzen. In der Fetisch- und BDSM-Szene tauchen die Namen „Sissy“ oder „Sissy-Boy“ auf. Hierbei handelt es sich um einen Mann, der im Rollenspiel eine kindlich-mädchenhafte Rolle übernimmt.

Filmadaptionen und Popkultur

Den Roman „Lolita“ veröffentlichten seit seiner Entstehung mehrere Verlage in unzähligen Auflagen. Die Leser erhalten ihn als Printausgabe mit Hard- oder Softcover. Alternativ laden sie sich das E-Book auf ihr Tablet oder den E-Book-Reader herunter.

Neben der Originalgeschichte und verschiedenen Buchadaptionen gibt es inzwischen zwei Verfilmungen der für lange Zeit umstrittenen Geschichte.

Der bekanntere der beiden Filme stammt von Regisseur Stanley Kubrick und erschien im Jahr 1962. Wladimir Nabokov selbst schrieb für den Schwarz-weiß-Streifen das Drehbuch. Die Lolita-Darstellerin Sue Lyon wurde durch ihre Rolle einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Den Part des pädophilen Humbert Humbert übernahm James Neville Mason.

Der zweite Lolita-Film folgte 1997. Mit Jeremy Irons fand Regisseur Adrian Lyne einen bedeutenden britischen Schauspieler, der die Rolle des Humbert Humbert übernahm. Dominique Swain verkörperte Lolita. Beide Filme sind als DVD und Blu-Ray erhältlich. Die 1997 erschienene Verfilmung finden Filmfans auf mehreren Streaming-Portalen.

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Ein Jahr nach der Veröffentlichung des zweiten Films brachte der Westdeutsche Rundfunk ein gleichnamiges Hörspiel auf den Markt. Seit März 2003 können sich Fans der Geschichte im Deutschen Theater eine Bühnenadaption des Romans anschauen. 2005 folgte ein von Jeremy Irons eingelesenes Hörbuch.

Ebenfalls spielt das Lolita-Thema in mehreren Popsongs und einer 1994 uraufgeführten Oper eine Rolle.

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Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).