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Wann wurde die Erotikfirma Beate Uhse gegründet?

Bild: © Tony Baggett / stock adobe

Die 1960er- bis 70er-Jahre galten als Zeit der sexuellen Aufklärung. Seither verlor das Thema Sex zunehmend das tabuisierte Image. Das verdankt „die schönste Nebensache der Welt“ zum großen Teil einer Frau: Beate Uhse. Die erfolgreichste Unternehmerin der Nachkriegszeit eröffnete 1952 ihr „Versandhaus Beate Uhse“, mit dem sie die Grundlage für ein Erotik-Imperium legte.

Wie wurde Beate Uhse zur Aufklärerin der Nation?

Beate Uhse – Tochter eines Landwirts und einer Ärztin – gehörte bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 zu den einflussreichsten Frauen Deutschlands. Nach Ende ihrer Pilotinnenkarriere widmete sie sich einem neuen Projekt: Sie ebnete den Weg in eine offene und freiere Gesellschaft.

In ihrer Heimatstadt Flensburg bemerkte die praktizierende Naturistin, dass vielen jungen Frauen die Kenntnisse zu Verhütung und Verhütungsmitteln fehlten. Sie machte es sich zur Aufgabe, diesen Umstand zu ändern. Dafür brachte sie eine Info-Broschüre zur Knaus-Ogino-Verhütungsmethode auf den Markt. Diese „Schrift X“ verkaufte sie bis 1947 rund 32.000-mal.

Mit dem Verkauf erwirtschaftete die Unternehmerin das Startkapital für ihren „Versandhandel für Artikel zur Ehehygiene“. Zusammen mit vier Angestellten verschickte sie auf Bestellung Kondome sowie „Ehebücher“. Zu Beginn der 1960er-Jahre wuchs der Kundenstamm des Unternehmens auf fünf Millionen Käufer an.

Am 17. Dezember 1962 eröffnete in Flensburg der erste Beate-Uhse-Shop unter dem Namen „Fachgeschäft für Ehehygiene“. Der erste Erotikshop der Welt löste in der Bevölkerung Neugier und Entrüstung gleichermaßen aus. Von kritischen Stimmen ließ sich die Gründerin nicht beirren. Ihrem ersten Sexshop folgte 1965 ein zweites Ladengeschäft in Hamburg. Der nächste Erotikshop der Unternehmerin feierte seine Eröffnung in Frankfurt.

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1966 bekam Berlin den ersten Beate-Uhse-Shop mit Selbstbedienung. Die Gründerin baute sich ein Filialnetz in weiteren Städten mit mehr als 250.000 Einwohnern auf. Dadurch gab es Ende der 1960er-Jahre deutschlandweit 14 Erotikshops mit ihrem Namen.

1981 gründete Beate Uhse zusammen mit ihrem Sohn Ulrich die Beate Uhse AG.

Was verkaufte die Firma Beate Uhse?

Über ihren Versandhandel, die Erotikshops und später den Online-Shop bot das Unternehmen Produkte aus dem Erotik-Sektor an. Neben Pornofilmen, pornografischer Literatur und Magazinen gehörten dazu Kondome und Reizwäsche. Im Angebot für Herren waren hauptsächlich Unterwäsche sowie Männertangas aus verschiedenen Materialien. Damen erhielten bei Beate Uhse beispielsweise Straps-Gürtel, Strümpfe oder Dessous.

Ebenfalls spezialisierte sich das Unternehmen auf Sexspielzeuge wie zum Beispiel Dildos oder Vibratoren. Im Sortiment der Sextoys befanden sich weiterhin:

  • Handschellen
  • Analplugs
  • Analketten
  • Liebeskugeln
  • Augenbinden
  • Masken
  • Knebel
  • Gerten und Peitschen

Darüber hinaus führte Beate Uhse ebenfalls erotische Artikel aus den Bereichen „Fetisch“ und „BDSM.

Um das Online-Geschäft anzukurbeln, band das Unternehmen registrierte Kunden durch Sonderaktionen an sich. Ab einem bestimmten Bestellwert oder zu besonderen Anlässen profitierten sie beispielsweise von einem Rabatt beim Einkauf.

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  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 18 Jahren

Wie endete das Erotik-Imperium?

Bis 2015 hatte die Verwaltung der Beate Uhse AG in Flensburg ihren Sitz. In der Heimatstadt der Firmengründerin befanden sich lange Zeit die Produktionsleitung und Lager ihres Unternehmens. Später planten die Verantwortlichen den Fabrikverkauf in Flensburg. Anschließend siedelten sich Warenlager und Versand in den Niederlanden an. Ebenso produzierte der Konzern einen Teil der Erotik-Artikel in Ungarn.

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Bis 2014 erwirtschaftete das Erotik-Imperium jährlich Gewinn. Den anschließenden Erfolgseinbruch schrieb es zum Großteil der Digitalisierung zu. Das Internet ermöglichte den Menschen, ihre sexuellen Bedürfnisse anonym zu befriedigen. Durch den Zugang zu kostenfreien pornografischen Inhalten verloren Pornofilme auf DVD an Bedeutung.

Daraufhin entschloss sich die Beate Uhse AG, die für ihre Erotik-Shops charakteristischen Videokabinen abzubauen. Lediglich in Ladengeschäften außerhalb der Innenstädte blieben sie erhalten. Durch den Umbau der Erotikshops versprach sich die Firma eine freundliche, helle Atmosphäre, die gezielt weibliche Kundschaft ansprechen sollte.

Der erhoffte Erfolg blieb trotz dieser Neuerungen aus. Im Jahr 2017 folgte die erste Insolvenz des Unternehmens. Ein Finanzinvestor übernahm die hoch verschuldete Beate Uhse AG, um sie aus der Schuldenfalle zu befreien. Im Jahr 2019 stellte das Erotik-Unternehmen erneut einen Insolvenzantrag.

Die Online-Aktivitäten der Firma übernahm ein Wettbewerber, der den Online-Handel von Erotikartikeln unter dem Namen der „Mutter Courage des Tabubruchs“ seither weiterführt. Warum keine Umbenennung erfolgte, erschließt sich schnell: Der Name Beate Uhse ist in den Köpfen der Deutschen fest mit den Themen Sex und Erotik verbunden.

Diesen Umstand machte sich im Jahr 2000 auch die tmc Content Group GmbH zunutze und gründete den privaten Fernsehsender Beate Uhse TV. Dieser spezialisiert sich auf erotische Filme, Serien und Dokumentationen. Empfangen können Zuschauer den Sender über Sky.

Für Liebhaber von facettenreichen Erotikfilmen und Webcam-Angeboten kommt alternativ der Anbieter Beate Uhse Movie infrage. Wie Beate Uhse TV steht dieser nicht mit der einstigen Sexshop-Pionierin in Zusammenhang, sondern nutzt nur deren bekannten Namen.

 

 

Bild: © Tony Baggett / stock adobe

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Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).