Wann wurde der Keuschheitsgürtel erfunden?

Der Keuschheitsgürtel wird unter anderem auch als „Florentiner Gürtel“ bezeichnet. Welche Bewandtnis es im ursprünglichen Sinne hatte, gilt heute als umstritten.

Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Gerätschaft teilweise der klassischen Selbstkontrolle diente, andere sind der Meinung, mit Hilfe eines Keuschheitsgürtel sei Vergewaltigungen vorgebeugt worden. Und wieder andere behaupten, mit dem Anlegen eines Keuschheitsgürtels wollten Männer sicherstellen, dass ihre Frauen sie nicht betrügen.

So oder so: Der Keuschheitsgürtel erfreut sich – unter anderem auch in BDSM Kreisen – einer großen Beliebtheit. Wie so oft geht es auch hier um das Spiel zwischen Macht und Unterwerfung.

Keuschheitsgürtel im Laufe der Zeit

Zum ersten Mal werden Keuschheitsgürtel um das Jahr 1400 herum erwähnt. Wie bereits erwähnt, geht aus den entsprechenden Quellen jedoch nicht wirklich hervor, welcher Zweck mit den entsprechenden Vorrichtungen erfüllt wurde.

Fest steht jedoch, dass besagte Gürtel während des späten Mittelalters und der Barockzeit so gut wie immer nur für Frauen konstruiert wurden. Genau das hat sich mittlerweile geändert. Heute gibt es auch den Keuschheitsgürtel für den Mann. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Erfindung des modernen Zeitalters.

Spätestens ab 1500 trat der Keuschheitsgürtel seinen Siegeszug an. Er wurde massenhaft hergestellt und eingesetzt – auch im Rahmen der Kreuzzüge, als die Männer unterwegs und die Frauen allein zuhause waren. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass auch die Frauen selbst den Schlüssel besaßen, um sich – wie oben erwähnt – zum Beispiel vor Vergewaltigungen zu schützen. Wäre der Gürtel wirklich dauerhaft und über mehrere Wochen getragen worden, wäre das Risiko im Zusammenhang mit Entzündungen immens gewesen.

Im 19. Jahrhundert wurden dann die sogenannten „Onaniebandagen“ eingeführt. Sie sollten verhindern, dass sich Jugendliche selbst befriedigen konnten. Auch sie können dementsprechend als eine Art Keuschheitsgürtel angesehen werden.

Einer der größten Irrtümer ist es, dass Keuschheitsgürtel schon zu Zeiten des Früh- und Hochmittelalters eine tragende Rolle gespielt haben sollen. Ihr Siegeszug begann erst später. Dementsprechend war das Mittelalter wahrscheinlich in dieser Hinsicht nicht so finster wie oft angenommen.

Der Keuschheitsgürtel in der BDSM Szene

Wer sich heute überlegt, einen Keuschheitsgürtel anzulegen, bewegt sich meist in der BDSM Szene. Hier kommt das Utensil meist im Zusammenhang mit Rollen- und Fesselspielen zum Einsatz.

Die Bandbreite der verwendeten Materialien ist (ebenso wie bei Dildos) groß – und natürlich weitaus hygienischer als es noch im Mittelalter oder im Barock der Fall war. Viele Modelle bestehen in der heutigen Zeit entweder aus Leder oder aus Silikon. Auch Stahl kommt hin und wieder zum Einsatz.

Diejenigen, die heute keine Lust auf einen Keuschheitsgürtel von der Stange haben, können sich ihr ganz persönliches Modell sogar nach Maß anfertigen lassen. Hierbei ist es wichtig, zwischen gewolltem Schmerz und gefährlichen Verletzungen und Entzündungen zu unterscheiden. Denn: Keuschheitsgürtel, wie sie zum Beispiel im Sexshop gekauft werden können, wurden an den empfindlichen Stellen gut ausgepolstert. So kann Aufschürfungen auch bei längerem Tragen vorgebeugt werden.

Wer sich auf der Suche nach einem ganz besonderen Modell befindet, kann sich auch mit Hinblick auf etwaige Extras erkundigen. So lassen sich einige Gürtel mit einem Dildo o. ä. ausstatten. Mittlerweile gibt es sogar elektrisch Gesteuerte Keuschheitsgürtel, die sich ohne Schlüssel, sondern auf Knopfdruck öffnen lassen.

Wie kann der Keuschheitsgürtel beim BDSM verwendet werden?

Beim Tragen eines Keuschheitsgürtels geht es vor allem darum, dass es ein Partner dem anderen Partner vorenthält, im Intimbereich berührt zu werden. Dementsprechend wird durch das Tragen einer solchen Vorrichtung auch so gut wie immer ein Orgasmus verweigert. In der Regel wird der Gürtel vom Sub getragen.

Es kann jedoch auch sein, dass der Dom sich einen Keuschheitsgürtel anlegt und sich so vor den Berührungen des Sub „schützt“.

Wie der Keuschheitsgürtel eingesetzt wird, ist dementsprechend immer von den persönlichen Vorlieben abhängig.

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  • Jo Pollux (Autor)

Was sollte bei der Benutzung eines Keuschheitsgürtels beachtet werden?

Das Anlegen und das Tragen eines Keuschheitsgürtels sollte immer mit viel Vertrauen verbunden sein. Wer einer anderen Person einen Gürtel anlegt, diese jedoch auf diese Weise „einschließt“, riskiert, dass somit ernsthafte Verletzungen hervorgerufen werden.

Abgesehen davon kann eine mangelnde Hygiene ebenfalls Entzündungen verursachen. Kurz: Die Verwendung eines Keuschheitsgürtels kann Spaß machen, sollte jedoch mit Bedacht erfolgen.

Und: Mit Hinblick auf einen – den Umständen entsprechend hohen – Nutzerkomfort ist es natürlich auch wichtig, sich für die richtige Größe zu entscheiden. Viele Keuschheitsgürtel, die beispielsweise im Sex Shop gekauft werden können, lassen sich an den Seiten individuell einstellen.

Bild von Bruno /Germany auf Pixabay


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